Aggressive Medien
Definition: Aggressive Medien sind chemische oder physikalisch-chemische Stoffe, die Werkstoffe durch Korrosion, Spannungsrisskorrosion, Wasserstoffaufnahme oder Erosion schädigen können. Dazu zählen Säuren, Laugen, chloridhaltige Lösungen, Hochtemperaturwasser sowie wasserstoffhaltige Prozessatmosphären. Die Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung von Temperatur, Druck, Konzentration und Strömungsbedingungen.
Relevanz für die Praxis: In chemischen Anlagen, Kraftwerken, Offshore- oder Druckgerätesystemen bestimmen aggressive Medien maßgeblich die Werkstoffauswahl und das Korrosionsschutzkonzept. Entscheidende Kennwerte sind Korrosionsrate (mm/Jahr), Lochkorrosionspotenzial, pH-Wert, Redoxpotenzial und Werkstoffkennwerte gemäß DIN EN ISO 8044. Fehlbewertungen können zu Leckagen, HTHA-Schäden oder vorzeitigem Bauteilversagen führen.
Entscheidungsperspektiven:
- Technische Entscheider: Auswahl geeigneter Legierungen, Beschichtungen oder kathodischer Schutzsysteme unter definierten Betriebsparametern.
- Einkauf/Projektleitung: Festlegung von Beständigkeitsnachweisen, Spezifikationen und Prüfanforderungen im Lastenheft.
- Wissenschaft: Analyse elektrochemischer Mechanismen, Polarisationskurven, Langzeitexpositionstests.
- Versicherung/Recht: Nachweis normgerechter Werkstoffwahl, Dokumentation der Risiko- und Gefährdungsbeurteilung.
Typische Prüf- oder Nachweisverfahren: Korrosionsprüfung, Salzsprühnebeltest (DIN EN ISO 9227), elektrochemische Polarisationsmessungen, Werkstoffanalytik.
FAQ:
- Wie wird die Beständigkeit gegen aggressive Medien bewertet?
- Durch standardisierte Laborprüfungen, Feldtests und die quantitative Bestimmung der Korrosionsrate unter definierten Randbedingungen.