HTHA (High Temperature Hydrogen Attack)
Definition: HTHA (High Temperature Hydrogen Attack) ist eine wasserstoffinduzierte Werkstoffschädigung, die bei erhöhten Temperaturen und Wasserstoffpartialdrücken auftritt. Dabei reagiert atomarer Wasserstoff mit Karbiden im Stahl zu Methan, was zur Entkohlung und Bildung interner Mikrorisse führt. Die Schädigung ist meist von außen nicht unmittelbar erkennbar.
Relevanz für die Praxis: Betroffen sind insbesondere niedriglegierte Stähle in Raffinerie-, Ammoniak- oder Hydrocracking-Anlagen. Die Bewertung erfolgt anhand von Betriebsparametern (Temperatur, H2-Partialdruck) gemäß API 941 (Nelson-Kurven). Metallographische Untersuchungen zeigen Entkohlungszonen, interkristalline Rissbildung und Methanblasen. Unentdeckte HTHA kann zu sprödem Bauteilversagen führen.
Entscheidungsperspektiven:
- Technische Entscheider: Werkstoffauswahl, Inspektionsintervalle und FFS-Bewertungen bei wasserstoffführenden Anlagen.
- Einkauf/Projektleitung: Spezifikation geeigneter Cr-Mo-Stähle oder höherlegierter Werkstoffe.
- Wissenschaft: Analyse von Wasserstoffdiffusion, Karbidstabilität und Gefügeabbau.
- Versicherung/Recht: Nachweis regelkonformer Werkstoffwahl und Inspektionsstrategie.
Typische Prüf- oder Nachweisverfahren: Metallographie (Replikatechnik), Ultraschallprüfung (UT), Härteprüfung, bruchmechanische Bewertung.
FAQ:
- Wie wird HTHA nachgewiesen?
- Durch metallographische Gefügeuntersuchung, ergänzt durch Ultraschallprüfung und Bewertung nach API 941.