Kerbschlagbiegeversuch
Definition: Der Kerbschlagbiegeversuch ist ein dynamisches Prüfverfahren zur Bestimmung der Zähigkeit eines Werkstoffs unter schlagartiger Beanspruchung. Eine genormte Probe mit Kerbe wird durch ein Pendel schlagartig gebrochen, wobei die aufgenommene Kerbschlagarbeit gemessen wird. Das Verfahren ist in DIN EN ISO 148-1 geregelt.
Relevanz für die Praxis: Die ermittelte Kerbschlagarbeit (z. B. KV in Joule) dient der Bewertung des Übergangsverhaltens von duktil zu spröde (Sprödbruchübergangstemperatur). Der Versuch ist besonders relevant für Druckgeräte, Stahlbau und Tieftemperaturanwendungen. Prüftemperatur, Probenform (V- oder U-Kerbe) und Ausrichtung zur Walzrichtung beeinflussen das Ergebnis wesentlich.
Entscheidungsperspektiven:
- Technische Entscheider: Bewertung der Tieftemperaturzähigkeit und Auswahl geeigneter Werkstoffe.
- Einkauf/Projektleitung: Spezifikation geforderter Mindestkerbschlagarbeiten bei definierten Temperaturen.
- Wissenschaft: Untersuchung von Sprödbruchmechanismen und Gefüseeinflüssen.
- Versicherung/Recht: Nachweis ausreichender Zähigkeit bei sprödbruchrelevanten Schadensfällen.
Typische Prüf- oder Nachweisverfahren: Charpy-V-Versuch, Temperaturreihenprüfung, Bruchflächenanalyse im REM.
FAQ:
- Warum wird der Kerbschlagbiegeversuch bei niedrigen Temperaturen durchgeführt?
- Um die Sprödbruchanfälligkeit und die Übergangstemperatur des Werkstoffs zu bestimmen.